Willi Münstermann
1903 - 1982


"So ein Ding baue ich in Krefeld auch." Willi Münstermann.

Wenn man sich die Geschichte des Krefelder Eishockey-Sportes und der Rheinlandhalle ansieht, darf ein Name nicht fehlen. Der von Willi Münstermann. Der Vater des Erfolges und der Idee an sich.

Die Liebe zum Eishockey und die überflüssige Kälte seiner Kühlhäuser brachten den Eier-Grossist aus Düsseldorf auf die Idee, ebenfalls ein Eissstadion, im Stile des Düsseldorfer Stadions, zu bauen. Von seiner eigenen Frau belächelt, setzte er seine Pläne durch. Er pachtete ein Grundstück - direkt neben seinem - von der Stadt. Einige Auflage der Stadt : nach 50 Jahren geht das Grundstück samt Stadion an die Stadt - zurück -. Zudem sollte der Architekt Paul. A. Kessler in die Planungen mit eingezogen werden. Die Baupläne an sich kamen vom Baumeister und Schwiegervater Münstermanns Wilhelm Bose. Und so wurde am 27. Juni 1936 der Grundstein für das Hindenburgstadion gelegt. Am 22.Oktober 1936 gründete W. Münstermann den Krefelder EV 36 - den KEV. 107 ( 102 / 103 - die Mitgliederzahl ist nicht ganz klar ) Mitglieder hat der KEV bei seiner Gründung im Hotel Wilmeroth in Krefeld.

Doch Willi Münstermann war noch lange nicht zufrieden. Es folgte der nächste Geniestreich. Im Herbst 1936 holte der von der WM in Garmisch-Partenkirchen weg engagierte Bobbie Hoffinger 12 junge Spieler mit deutscher Abstammung aus dem kanadischen Alvador. Diese Truppe sollte, verstärkt mit hungrigen Deutschen, den Eishockey Virus in Krefeld festsetzen. Zum einen sollte sie als Profitruppe spielen, aber gleichzeitig auch die Amateure fördern. Durch Gastspielreisen sollten sich die Truppe selber finanzieren. Als Entgelt erhielten die Spieler Unterkunft und Taschengeld. Gemanagt durch Willi Münstermanns Frau Ria reiste die Gruppe u.a. in die Tschechoslowakei, Frankreich, Holland, Schweiz und Schweden - und begeistere die Leute. Bekannt wurden sie unter dem Namen "German Canadians". Ursprünglich sollte der Name "German Indians" lauten. Doch auf Anordnung des Reichssportbundes wurde die Mannschaft umbenannt. Zwei Jahre lang begeisterten die kanadischen Jungs die Zuschauer. Da nach war die eigene Mannschaft der Zuschauermagnet.
 
Bild aus den 50er Jahren. Bilder aus den 50er Jahren. Pokalübergabe beim Samt- und Seide-Pokal.
 
Auf zum letzten Drittel. Auf zum letzten Drittel.
Noch ist Willi Münstermann skeptisch.
Doch bald ist der KEV Deutscher Meister.
Und es wird gefeiert.
Und es wird gefeiert.
   
Immer wieder war Willi Münstermann der treibende Motor, die Kraft, die alles wieder ans Laufen brachte. In den schweren Zeiten des Krieges war das Haus der Familie Münstermann immer Anlaufstelle, Herberge und Verpflegungsstätte. Ria Münstermann war die Mutter der Kompanie. Nach dem Krieg war es Münstermann, der die Besatzer überredete, das Stadion zu renovieren und es auch für die Zivilbevölkerung zugängig zu machen. Er entwickelte das Motto "Vom Frühstück zum Training". Die im Krieg heil gebliebene Tribüne wurde zu provisorische Spielerwohnungen umgewandelt. Hauptsächlich für Spieler aus den Auffanglagern für Ostaussiedler. Naturalien lockten, warmes Essen und heisse Getränke. In einer Zeit, wo mit Filzschonern ( Schienbeinschoner ), aufgenageltes Sperrholz ( Torwartschläger ) und so genannten "Schraubendampfern" gespielt wurde, kaufte Willi Münstermann den Amerikanern eine Wagenladung Schläger ab.

Trotz in den Weg geworfener Steine, schaffte es W. Münstermann die Weltmeisterschaft 1955 nach Krefeld zu holen. Mit der Fürsprache schwedischer Freunde und einer hinterlegten Garantiesumme, bzw. Ausfallsumme von DM 100.000 konnte der Weltverband nicht mehr nein sagen. Auch die Stadt war schlussendlich überzeugt. Wenn es auch bei der WM Pleiten, Pech und Pannen gab, so war sie doch ein voller Erfolg und ein Glanz in der Krefelder Geschichte.

Es war bestimmt nicht immer einfach für W. Münstermann, aber auch mit W. Münstermann. Aber er hatte seine Ideen, für die er - oft belächelt - kämpfte. Und auch seine Ellenbogen benutzte. Dass es dabei nicht immer harmonisch zuging, zeigt der Austritt aus dem VFL Preussen, bzw. dem KTSV Preussen nach der Fusion mit dem Krefelder Turnverein 1855. Hatte er doch den Verein mitbegründet und alle zum Staunen gebracht. Z.B. sollten Senioren im Trikot der Preussen spielen und die Junioren im Trikot des KEV.
Angekündigt zur WM und vollzogen nach der WM. Der langjährige 1. Vorsitzende des Krefelder EV 36, W. Münstermann, zieht sich zurück. Zu gross die Hürden, zu gross die Verärgerung.

Mit 52 Jahren zieht sich der früher aktive Ruderer Willi Münstermann auf die bis dahin weitgehend unbekannte Insel Teneriffa zurück.

1982 - mit 79 Jahren - verstarb der Begründer des Krefelder Eishockeys. Seine Liebe zum KEV hat er nie verloren. Seinen Wohnsitz auf Teneriffa, unterrichteten ihn seine Söhne telefonisch über die Geschicke des KEV.
Willi Münstermann.
 
Am Rande der Bande :

Wie kam Herbert Schibukat eigentlich nach Krefeld ?

Schibu las im "Volksempfänger", dass in Krefeld direkt nach dem Krieg schon wieder Eishockey gespielt wurde. Er schrieb eine Postkarte an Willi Münstermann, ob sich dieser noch an den alten Schibukat erinnere. Daraufhin fuhr Willi Münstermann mit seinem Cadillac ( dem Schlachtschiff, laut Schibu ) nach Pyrmont. Und nach anfänglichen Kopfschütteln, er könne nicht mitkommen, weil er arbeiten müsse, sass er später mit seiner Frau im Zug nach Krefeld.
 
Letzte Aktualisierung / Stand August 2008


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