Die Rheinlandhalle
bis Mitte der Sechsziger Jahre : Rheinland-Halle


Es ist nicht einfach, ein paar Worte über die Rheinlandhalle / Rheinland-Halle zu schreiben. Vor allem, wenn man bedenkt, dass Sie demnächst als Heimspielstätte der Pinguine ausgedient hat. Man geht moderne Wege, die alt Dame ist nicht mehr zeitgemäss. Fragt man auswärtige Fans, so war sie dass nie. Alt, unmodern, hässlich, warm, baufällig sind Worte, die häufig genannt werden. Doch für die eigenen Fans sind das alles Umschreibungen, die nicht zählen. Der wahre Charme der altehrwürdigen Halle liegt in Ihrem Inneren. Dem Hexenkessel. Seit dem ersten Tag ist die Stimmung bei den Gästen gefürchtet. Der eigene Fan sieht gerne über Baumängel hinweg. Er liebt und verehrt seine Rheinlandhalle / Rheinland-Halle. Und sie hat schon einige Höhen und Tiefen mitgemacht.: Die RLH von vorne.

Der Fan-Container.

27. Juni 1936
Der Grundstein für das Hindenburgstadion ( an der damaligen Hindenburgstrasse ) wird gelegt.

Das Modell. Bauschild. Stadionbau. Stadionbau. Stadionbau - Richtfest. Stadionbau.

Von aussen. Von aussen. Von aussen. Die erste Eisfläche. Eislaufen.


Veranstaltung. Veranstaltung. Nostalgie-Tor. Die Gaststätte.


1936
In nur 130 Tagen wird das Stadion aus dem Boden gestampft. Am 27. Juni 1936 ist die Grundsteinlegung des Hindenburgstadions.
Am 07. November 1936 gibt es das erste Eis auf der 60x30m umfassenden Asphaltpiste.
Beim Premieren-Spiel der German Indians ( danach umbenannt in German Canadians ) endet das Spiel 0:0.
Aber die Zuschauer im ausverkauften Stadion sind restlos begeistert.
Das Freiluft-Stadion umfasst 8.000 Zuschauer, davon 2.500 Überdachte Sitzplätze ( Haupttribüne ). Der Rest Stehplätze.
Die 200 Personen umfassende Stadiongaststätte wurde später fertig gestellt, genauso wie die Fussbodenheizung in den ersten fünf Reihen der Haupttribüne.
120 Arbeiter haben 21 km Eisbahnberohrung verlegt. Gespeist wird die Eisbahn von den Müntermannschen Kühlhäusern.
Erwachsene können für 50 Pfennig - abends 60 Pfennig - und Kinder für 30 Pfennig bei Lautsprechermusik Eis laufen.
Es ist die 10. Eisbahn im damaligen Reich und die dritte ( nach Düsseldorf und Dortmund ) in Nordrheinwestfalen.

Speisen- und Getränkekarte des Eröffnungsjahres :

Tivoli-Alt, 7/20 groß, 3 Groschen
Asbach Uralt, 45 Reichspfennig
Flasche Coca-Cola, 37 Reichspfennig
Halbes Brötchen mit Wurst, Käse oder Lachs, 2 Groschen
Kalbssteak mit Erbsen und Bratkartoffeln, 2 Mark
Schnitzel Holstein, 2,50 Mark
Tournedo Rossini, 2,50 Mark,
Gänseleber-Pastete mit Butter und Toast, 2,75 Mark

"Kringeldrehen" gab es für Erwachsene für 75 Pfennig und Kinder und Schüler mussten 30 Pfennig bezahlen. Eine Saisonkarte kostete 40 Mark und das Militär und Mitglieder zahlten 50 Pfennig. Eine Ferienkarte gab es für 2,50 Mark.
Das Berliner Fachblatt "Eis- und Rollsport" zum Bau des Stadions :
Wenn das so weiter geht, macht sich Rheinland-Westfalen bald seinen Winter selbst, nicht um in den Winterschlaf zu verfallen, sondern um lebenslustig eiszulaufen.

Die eigene Presse forderte die Einrichtung einer Straßenbahnlinie und die Aufstellung von Wegweisern zum Stadion.

Im Sommer - Schwimmbad.
Im Sommer - Schwimmbad. Im Sommer - Schwimmbad.

Im Sommer - Schwimmbad. Im Sommer - Schwimmbad. Im Sommer - Schwimmbad. Im Sommer - Schwimmbad. Im Sommer - Schwimmbad.
 

Sommer 1937 und Sommer 1938
Ab Juni 1937 dient das Freiluftstadion zwei Jahre lang als Schwimm-Stadion. 1.800 qm, eine wasserdichte Bande, zwei Becken, 1,35 m Wassertiefe, 22 bis 25 Grad Wassertemperatur, 700 qm Liegefläche mit feinstem Nordseestrand zeichnen das Badevergnügen aus. Die nebenan gelegenen Kühlhäuser liefern als Abfallprodukt Wärme zur Aufheizung des Wassers. Erwachsene zahlen 50 Pfennig Eintritt, Kinder 30 Pfennig.

Das Stadion 1938. Umbau. Umbau.

22. Juni 1941
Nachdem der Betrieb im Krieg völlig eingestellt wird, wird Krefeld fast in Schutt und Asche gelegt. Die Gaststätte des Hindenburgstadions wird, so gut wie, völlig zerstört. Die Eisfläche wird erheblich beschädigt. Die Tribüne jedoch übersteht alles.

09. Dezember 1945
Die erste Eisfläche nach langer Zeit. Das Rohrsystem wird repariert. Die Halle wird renoviert. Tribünenräume werden zu Spielerwohnungen umgewandelt. Hauptsächlich für Spieler aus Auffanglagern für Ostaussiedler. "Vom Frühstück zum Training" lautet das Motto.

26. Dezember 1946
Am zweiten Weihnachtstag findet das erste Spiel nach dem Krieg statt : Düsseldorf gegen Krefeld.

Frühjahr 1946
Zweite Eröffnung - auch für die Zivilbevölkerung. Veranstaltungen finden statt und es gibt Trainingszeiten für den KEV. Zum 10. jährigen Bestehen fasst das Stadion wieder 7.000 Besucher.

Dezember 1947
Das wieder unter Willi Münstermann stehende Stadion sollte wegen zu hohem Stromverbrauch geschlossen werden. Es war einfach unnütz. Glücklicherweise kam es nicht soweit.

1948/49
Gerade rechtzeitig zum Schauen fertig gewordene Renovierung zu Beginn der Saison. Aber noch nicht ganz fertig. Neue Verdampfer-Anlage, Verbesserung des Rohr-Systems, helleres Licht und weisser Bandenanstrich.

1949
Pläne zur weiteren Renovierung und Umbau zur Halle liegen vor und notwendige Materialen aus einer Duisburger Stahlfirma sind bereits gesichert.

Sommer 1950
Überholung des Stadions - trainiert wird in den Kühlräumen von Willi Münstermann.
Die Halle wurde erweitert und verschönert - frisch gestrichene Sitzbänke, grünlich-gletscherblau, neuüberdachte Stehplätze und feste Steinstufen.
Immer wieder kam es mal vor, dass in den präparierten Kühlräumen der Münstermannschen Kühlhäuser trainiert wurde.

Sommer 1951
Erneute Renovierung für DM 73.100,-, mit genauer Aufschlüsselung. Die Kosten sind für Jedermann ersichtlich. Der Versuch einer Erklärung.
Der Umbau.

Sommer 1952
Umbau des offenen Stadions in eine geschlossene Halle. Baumaterialien sind Ziegelsteine aus Trümmergrundstücken und von W. Münstermann organisierten Stahl aus Duisburg, Die Stadt gibt Zuschüsse. Die Halle fasst nun 8.000 Zuschauer.
Dachbau. Umbau zur Halle.
Einziges Stadion in der BRD das gegen alle Wetterverhältnisse geschützt ist. Es gibt beheizte Sitzplätze, Stehplätze aus Doppelzement ( ca. 3.000 Stehplätze ), unter der Tribüne Umkleideräume und Lagerraum für Umbauten, z.B. für den Holzboden der Hallen-Handballspieler. Die Tribünenstehplätze sind hoch und übersichtlich. Die Gaststätte ist modernisiert : Ausser fernsehen in der Gaststätte, kann man nun auch auf zwei Anlagen kegeln.

07. November 1952
Auf den Tag genau 16 Jahre alt - die Rheinland-Halle wird eingeweiht.

Die RLH von aussen. Publikumslauf. Ein Blick in die RLH. Ein Blick in die RLH. Kunstturnländerkampf Deutschland - Japan.

06. März 1955
Die extra zur WM ausgebaute Halle fasst nun 10.500 Zuschauer. Im Finalspiel der WM ( vom 25.02 bis 06.03.1955 - Austragungsorte : Krefeld, Dortmund, Düsseldorf und Köln ) in Krefeld siegt Kanada mit 5:0 über die Sowjetunion. Die gesamte Stadt ist in kanadischer Hand.
Blumenausstellung in der RLH. Ringen in der RLH.
Blumenausstellung und Ringen in der RLH.

1961
Es gibt eine neue Kälteanlage.

1963 bzw. 1966/67
Es lässt sich leider nicht genau nachvollziehen. Die Werner-Rittberger-Halle wird als zweite Eisbahn errichtet und eingeweiht. Sie ist leider nicht ausbaufähig. Aber moderner. Wird meist zum Training genutzt.
 
Zehnerkartenblock zum Abreißen.
Zehnerkartenblock zum Abreißen.

Saison 1971/72
Erst nach Beginn der Saison können wieder Spiele in der RLH ausgetragen werden. Die Renovierung wird nicht rechtzeitig fertig. Die Spiele werden solange in Duisburg ausgetragen.

Fans Mitte der Siebziger. Fans Mitte der Siebziger.

1975
Die Stadt übernimmt zu einem erheblichen Pachtzins die Rheinlandhalle. Nachdem einige Zeit wenig investiert wurde, werden erste dringende Reparaturen und Verbesserungsarbeiten vollzogen.
Die neuen Kühltürme können nicht rechtzeitig zum Trainingsbeginn geliefert werden, so dass die Mannschaft in Holland oder Herne trainieren muss.

1976
Erst jetzt entschliesst sich die Stadt zu einem gründlichen Umbau und beträchtlichen Investitionen. DM 1,2 Millionen werden bewilligt. Es entstehen eine neue Eispiste mit Vakuum-Beton, eine vergrösserte ( internationale ) Eisfläche, eine neue Eisaufbereitungsanlage, begehbare Rohrkanäle, eine neue Bande, mehr Licht, verbesserte Nebenräume, Umkleidegebäude und eine verbesserte Infrastruktur. Im zweiten Schritt wird eine neue Dachkonstruktion errichtet und die Tribünen werden erweitert. Dafür müssen Sitzreihen weg. Die Entscheidung, die vorhandenen Netze mit Makrolon-Scheiben zu ersetzen, kostet weitere DM 65.000. Nachträglich müssen "Windmacher" für DM 6.000,-. gegen den Nebel gekauft werden. Zwei Ventilatoren, die pro Stunde 35.000 Kubikmeter Luft transportieren.

September 1976
Start der Saison 1976/77. Die Rheinlandhalle ist nach den Umbaumaßnahmen erst im Oktober fertig. Der KEV muß seine Heimspiele verlegen.

15. Oktober 1976
Hallenwart Bernhard Peltzer hat die Idee den Namenszug der Stadt Krefeld für eine Sport-Übertragung auf das Eis zu machen. Am 15.10. ist es soweit - gegen Düsseldorf, vor ausverkaufter Kulisse, mit Radio und Fernsehen zu Gast und vor den Augen der Borussia-Spieler Rainer Bonhof und Horst Wohlers.

1986
Die Rheinlandhalle geht an die Stadt - zurück -. Der Schlüssel wird symbolisch an den Bürgermeister Herrn Pützhofen übergeben. Natürlich wird auch renoviert.

1991
Die "obere West" wird zum Stehplatz-Bereich.

Umbau der Oberen West. Neues Dach. Das neue Äussere.

März 1992
In ca. fünf Monaten ( bis August ) wird die Rheinlandhalle umgebaut. Die Südtribüne wird für 765 zusätzliche Sitzplätze errichtet. Die Gaststätte wird neu gebaut. Es gibt neue Eingänge, das Innenleben wird grunderneuert ( Kabinen, Trockenräume, West-Bar und Toiletten ), es gibt einen neuen VIP-Bereich, Dachklappen wegen Rauch und Nebel werden eingebaut, neue Kassenhäuschen mit Pyramide davor, Pistenbar, Foyer wird geändert, es gibt eine Medienampel und ein neues Einlasssystem.
Die Mannschaftskabine zieht auf die andere Seite. Die Gäste kommen in die alte Mannschaftskabine.

Renovierungsarbeiten. Panoramablick. Die neue Medienampel. Nebelprobleme. Die Übergangslösung.

1997
Wieder eine neue Baumassnahme - es gibt neue Technik, neue Beleuchtung, neue Bande, Verbesserung der Innenräume.

1997/98
Die Mannschaftskabine wird renoviert. Es gibt ein Ruhebecken.

6. und 7. November 2004
1. Lothar Kremershof Cup mit dem Spiel : Lothar's Dreamteam gegen Eishockey-Legenden.

03. Dezember 2004
Letztes DEL-Spiel in der RLH - Krefeld Pinguine gegen Adler Mannheim


Bei der Nationalhymmne. Stimmung auf dem Eis. Stimmungsfeuer. Wunderkerzenmeer.


Bis heute wurde immer wieder etwas an der guten alten Rheinlandhalle / Rheinland-Halle geändert, renoviert, umgebaut, verbessert. Es wurde versucht, ihr Gesicht modern zu halten. Sie konkurrenzfähig zu halten.

Gerade in den 70er und 90er Jahren kam immer wieder die Frage nach einem Neubau auf. Favorit war der Sprödentalplatz. Durchsetzen konnte sich eine Idee aber nie. Viele Pläne wanderten in die Schublade und warteten auf Wiederentdeckung. Auch einige Umbaupläne der Rheinlandhalle / Rheinland-Halle gesellten siech dazu.

Jetzt aber ist es bald soweit. Es heisst Abschied nehmen. Wäre die Halle ein Mensch, so hätte man ihr wahrscheinlich ein wunderbares Abschiedsgeschenk gemacht. Die Meisterschaft 2003.

Wenn man bedenkt, was in den 50er Jahren alles in der Rheinlandhalle / Rheinland-Halle los war ( ausser Eis laufen : Eisclowns, Eisrevuen, Catchturniere, Ausstellungen, Handball, Boxturniere, Blumenausstellungen, Zeugen Jehovas Weltkongress u.v.a. ), so ist es ruhig geworden. Nur still wird es hoffentlich nie. Denn genutzt wird die gute alte Rheinlandhalle / Rheinland-Halle weiterhin.

Wer hätte es gedacht. In der Saison 2006/07 fanden mehrere DEL-Meisterschaftsspiele in der Rheinlandhalle statt. Durch ein Problem mit der Kühlanlage im KönigPalast musste man auf die gute alte Dame ausweichen.


Fans auf der Nord. Fans auf der Oberen West. Das Trikot von Karel Lang an der Hallendecke. Fans.

Abschiedsbilder:
Volles Haus. Abschiedsfahne. Abschiedszeremonie. Der Übergabe-Puck. Der letzte gespielte Puck.

Die alte Dame von aussen. Ohne Worte. Ein letzter Blick.

Stufen. Bande mit Tür. Blaue Linie.

 
Letzte Aktualisierung / Stand Januar 2011


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